bahnblog
Es war der Tag, an dem ich von der Haltestellen-Namensänderung von Purkersdorf-Gablitz auf Purkersdorf-Zentrum erstmals Notiz nahm. Wer dies wohl forciert hatte? Wollte G. nicht mehr das Anhängsel von P. oder P. einfach nur noch P. sein? Jedenfalls egal. Ich kaufe meine Tickets weiterhin ab Purkersdorf-Sanatorium. Das muss man wissen, hat man eine Fahrkarte für Wien und will die Bundeshauptstadt gen Westen verlassen. 1,20 Euro ist die Unterschied zwischen einer Fahrt ab Wien-Westbahnhof und einer ab Purkersdorf-Sanatorium. Monatelang habe ich diesen Aufpreis freiwillig bezahlt. Macht kumuliert etwa 30 Euro.
Es war der Tag, an dem, wie an jedem anderen auch, an dem ich die Zugstoilette in Anspruch nahm, der sensorisierte Wasserhahn nicht bzw. erst nach erheblicher Verzögerung auf meine unsensorisierten Hände, die schon häufig mittels Handgreiflichkeiten gegen den vermeintlichen Wasserspender vorgehen mussten, reagierte; das Händewaschen letztlich aber zumindest, anders als an den meisten anderen Tagen, ohne Wasserspritzer auf nicht dafür gedachte Körperteile über die Bühne ging.
Es war der Tag, an dem ich nach vielen Jahren der Abstinenz wieder Früchtetee trank, um mir dann über den Grund der jahrelangen Abstinenz wieder völlig klar zu sein.
Es war der Tag, das wollte ich nur festgehalten haben.
BirgitRie - Di, 22. Mär, 22:40
Es gibt Orte, die kennt man irgendwie wie seine Westentasche, um dann doch festzustellen - eigentlich war man noch gar nie da. Durchreisestationen oder „Kurzer-Aufenthalt“-Stationen. X-mal am Bahnhof angekommen und genauso oft wieder von ebenda weggefahren. Und irgendwann, denkt man sich, irgendwann steigt man einfach mal aus. Atmet die Luft von Purkersdorf-Gablitz, trinkt einen Kaffee in St. Valentin, schlendert durch die Straßen von Breitenschützing oder sucht das Wahrzeichen von St. Pölten. Letzteres notier’ ich mir auf meiner Prioritätenliste ganz oben. Tatsächlich hat es mich noch nie nach St. Pölten verschlagen. Zurecht, könnten böse Zungen vielleicht behaupten. Und es stimmt schon, viel Gutes hört man tatsächlich nicht über diese Stadt. Aber ich will der jüngsten österreichischen Landeshauptstadt eine Chance geben. Zumindest einmal in meinem Leben sollte ich meine Füße auf den Boden des Machtzentrums jenes Bundeslandes, das zwischen meinem Wahl- und meinem Heimat-Bundesland liegt, gesetzt haben. Und schließlich gilt es da ja auch noch etwas herauszufinden. Einst im Schulunterricht lernten wir die Wahrzeichen aller österreichischer Landeshauptstädte. Von Innsbruck das Goldene Dachl, von Salzburg die Hohenfestung, von Graz der Uhrturm, von Klagenfurt der Lindwurm und von St. Pölten, ... ja von St. Pölten? Die Frau Lehrerin wusste es nicht. Ich mache es mir also zur Mission - und nein, ich begnüge mich nicht mit einem Blick auf wikipedia - herauszufinden, ob es in St. Pölten noch etwas anderes gibt außer Erwin Pröll, Windräder, ein Autobahnkreuz und die Zentrale eines großen Möbelhauses.
Ich werde demnächst irgendwann davon erzählen, wenn ich mein Vorhaben in die Tat umgesetzt habe und die Durchreisestation zur Haltestation gemacht habe. Irgendwann. Sicher.
BirgitRie - Fr, 20. Aug, 12:19
Für Bahnfahrer ist es eine Grundsatzfrage. Offen oder geschlossen. Ich für meinen Teil bevorzuge ja offen. Psychologisch gedeutet hieße das wohl, ich sei ein offener Mensch. Ich halte mich eigentlich nicht für besonders offen. Ist jetzt aber ohnehin egal, weil die Entscheidung konnte ich wieder einmal nicht selbst treffen. Weil offen wieder mal verschlossen - sprich besetzt - und das obwohl ich extra 25 Minuten vor Abfahrt eingestiegen bin - oder reserviert war. Gut, ich kann mich nicht beschweren, schließlich stand im Internet ja: „Starker Reisetag - bitte reservieren.“ Und schließlich habe ich ja noch einen Sitzplatz ergattert. Halt in einem geschlossenen Abteil. Ein geschlossenes Abteil zu betreten ist wie „Tag der offenen Tür in die Intimsphäre“. Wie das Badezimmer einer Vorführwohnung bei Ikea zu betreten. Öffentlich, aber doch irgendwie privat und intim.
Tür auf. Ist da noch frei? Hinsetzen. Still sitzen. Zeitung lesen. Direkte Blickkontakte meiden. Nicht einschlafen, dabei den Mund öffnen und den Kopf auf den Sitznachbarn fallen lassen - von Schnarchen gar nicht zu reden. Die korrekte Verhaltensweise in einem geschlossenen Abteil ist von wesentlich größerer Bedeutung als in einem offenen. Denn der „Schuldige“ ist schnell ausgemacht. Handy läuten, Wurstgeruch, sonstiger Geruch, Beine ausstrecken, Nachbar berühren, Laptop mit Lautsprecher an, Handy fallen lassen, Sonstiges fallen lassen, Schuhe ausziehen, Schluckauf,.... Die Liste der unangebrachten Verhaltensweisen ist unendlich fortsetzbar. Alles richtig machen kaum möglich. Deswegen nächstes Mal noch früher dran sein und hoffentlich wieder offen.
BirgitRie - Mi, 18. Aug, 14:35
seit knapp einem jahr fahre ich wieder regelmäßig bahn. ich muss gestehen, ich habe mich ins bahnfahren verliebt. von anfang an. keine spur von langeweile. mein notizbüchlein immer dabei, habe ich begonnen, während der bahnfahrt zu schreiben. über das bahnfahren, die sitznachbarn, die aussicht, den zu heißen cappuccino oder die schmutzige toilette. bahnfahren bietet keine großen abenteuer, aber es ist inspirierend. wie gesagt, ich liebe es.
BirgitRie - Mi, 18. Aug, 14:17